Ihr Standort: Stadt Herbolzheim | Ortsteil - Tutschfelden
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Tutschfelden
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Tutschfelden, wenn auch von seiner Fläche und Einwohnerzahl her der kleinste der vier Bleichtalstadtteile, so macht gerade ihn seine exponierte Lage auf dem Rücken eines Lößhügels zu einem Blickfang im Bleichtal. Schon in frühgeschichtlicher Zeit waren günstig gelegene Teile der Gemarkung bewohnt. In den Gewannen Geiger, Eckwäldele und Herrenberg deuten Funde auf römische und alemannische Siedlungen hin. Bereits 972 wurde der Ort in einer Urkunde des Klosters Einsiedeln erwähnt anläßlich der Auflistung von fränkischem Besitz, der an das Kloster übergegangen war. Später hatten auch die Reichsklöster Gengenbach und Waldkirch sowie Ettenheimmünster und Tennenbach Rechte in Tutschfelden. Im 13. Jahrhundert beanspruchten die Herren von Üsenberg und Geroldseck als Schutzvögte der Klöster weitere Rechte. Nach vorübergehenden Verpfändungen wurde das Dorf im 15. Jahrhundert markgräflich-hachbergisch und fiel nach der Teilung der Markgrafschaft an Baden-Durlach. Markgraf Karl II. führte 1556 als regierender Landesfürst die Reformation ein. Die Auswirkungen des 30-jährigen Krieges hatten in Tutschfelden viele Spuren hinterlassen. Durch Brand und Einsturz wurden die meisten Gebäude zugrunde gerichtet. Die Zahl der Einwohner ging von 200 auf 50 zurück. In den darauffolgenden Kriegen verhinderten Kontributionsleistungen den Wiederaufbau. Erst im Laufe des 18. Jahrhunderts stieg die Zahl der Einwohner wieder von 70 auf 200 an. Doch belasteten Mißernten, Unwetter, Viehseuchen und ansteckende Krankheiten die Entwicklung. Nur wenige Familien kamen zu Wohlstand, ihre meist in Fachwerk erbauten Häuser sind für das Dorfbild bezeichnend. Die wenigen aus der Zeit vor dem 30-jährigen Krieg erhalten gebliebenen kleinen Häuser können an der Art der Fachwerkkonstruktion erkannt werden. Bis zur Errichtung einer selbständigen Pfarrei im Jahre 1777 war der Ort Filiale von Broggingen oder Wagenstadt, wo auch die Kinder zur Schule gingen. 1757 bekam das Dorf seine erste ortseigene evangelische Schule. Die über dem Dorf 1806 im Weinbrennerstil erbaute evangelische Kirche enthält Ausstattungsteile des ehemaligen Klosters Ettenheimmünster (Altartisch, Kanzel und Kirchenbänke). Eine fast unverändert erhaltengebliebene, kleine Orgel des bekannten Herbolzheimer Orgelbaumeisters Blasius Schaxel aus dem Jahre 1807 ist nach ihrer Renovation ein Kleinod für Orgelfreunde geworden. Anstelle dieser klassizistischen Kirche stand zuvor eine frühromanische Kapelle, die Johannes dem Täufer geweiht war. Sie zählte nach Aufzeichnungen des Baudirektors Friedrich Weinbrenner zu den ältesten im ganzen Oberland. Der mit 1615 datierte Taufstein ist von der alten Kirche erhalten geblieben. Das Dorfwappen besteht aus einer roten Rose mit grünen Kelchblättern. Es ist um 1900 aus dem alten Dorfzeichen unter Weglassung des bad. Schrägbalkens entstanden. Durch vier mustergültige Rebflurbereinigungen hat Tutschfelden auf seiner kleinen Gemarkung in den Jahren 1952 bis 1971 eine Rebfläche von 72 ha geschaffen. Damit bekamen die meisten landwirtschaftlichen Betriebe, die stark auf Feldbau ausgerichtet waren, eine zusätzliche Erwerbsquelle. Straßen und Wege wurden ausgebaut und kanalisiert, Häuser saniert und ein neues Rathaus gebaut, sowie in zwei Bauabschnitten (1951 und 1964) das 1907 erstellte Volksschulgebäude erweitert. Das an der Straße nach Wagenstadt liegende Schulgebäude diente bis 1974 dem Schulbetrieb. In den letzten Jahrzehnten entstanden um die alte Dorfbebauung, die ausschließlich landwirtschaftlich gekennzeichnet war, mehrere Neubaugebiete. Den größten Umfang erreichte das "Neudorf", dort erfolgte auch eine Erweiterung ("Halden/Schörlinsmatten"). Mit dem Bau des Kindergartens am südwestlichen Dorfrand wurden sowohl in baulicher wie infrastruktureller Hinsicht neue Akzente gesetzt. Zwischen Kindergarten und Sportplatz entsteht ein Bürgerhaus, das neben der Ortsverwaltung, der Feuerwehr und einem Gemeindesaal auch die örtlichen Vereine aufnehmen wird. Innerhalb weniger Jahrzehnte ist aus dem Bauerndorf in bevorzugter landschaftlicher Lage ein Wohn- und Auspendlerstadtteil geworden, in dem sich die eingesessenen wie zugezogenen Bürgerinnen und Bürger gut miteinander verstehen. Mit der Umstrukturierung in der Landwirtschaft sind auch die meisten diesbezüglich orientierten Handwerksbetriebe aufgegeben worden. Spielte doch früher der Wagner und Schmied, wie auch der Küfer, Krämer und Gastwirt im Dorf eine beachtliche Rolle. Während 1950 noch 74% der Erwerbspersonen, die am Ort wohnten, in der Landwirtschaft tätig waren, ist dieser Wirtschaftszweig heute weitgehend zum Nebenerwerb geworden. An der Straße nach Broggingen stehen zwei auffallend große Gebäude, das ehemalige Gasthaus "Löwen" mit Walmdach und schön renoviertem Fachwerkobergeschoß von 1730 und daneben der durch Umbau 1806 geschaffene alte Pfarrhof mit einer Zehntscheuer von 1728. Eine Vielzahl historischer Zeugnisse und moderne Veränderungen lassen die Geschichte nahtlos in die Gegenwart übergehen. Kulturelle, sportliche und kirchliche Vereine und Gruppierungen pflegen die Tradition und fühlen sich der modernen Entwicklung verpflichtet. Friedrich Hinn |