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Baden-Würtemberg
Bundesland im Südwesten der Bundesrepublik Deutschland. Es grenzt im Norden an die Bundesländer Hessen und Bayern, im Osten an Bayern, im Süden an die Schweiz, im Westen an das Bundesland Rheinland-Pfalz und an Frankreich. Stuttgart ist Hauptstadt und größte Stadt. Andere wichtige Städte sind Mannheim, Karlsruhe, Freiburg, Heidelberg, Heilbronn und Ulm.
Land
Baden-Württemberg ist mit einer Fläche von 35752 Quadratkilometern, nach Bayern und Niedersachsen, das drittgrößte deutsche Bundesland.
Entlang der Grenze zu Frankreich und zu Rheinland-Pfalz liegt die Oberrheinische Tiefebene, ein zwischen dem Schwarzwald und den Vogesen (bzw. zwischen dem Odenwald und dem Pfälzer Wald) eingesunkener Grabenbruch (Oberrheingraben). Im Süden der Oberrheinischen Tiefebene erhebt sich der Kaiserstuhl, ein Bergland vulkanischen Ursprungs. An den Oberrheingraben schließt sich im Osten der Schwarzwald mit dem Feldberg (1493 Meter), der höchsten Erhebung Baden-Württembergs, an. Durch den Kraichgau vom nördlichen Schwarzwald getrennt, liegt, an der Grenze zu Hessen, der Odenwald. Im Südosten, zwischen dem Bodensee, der Iller und der Donau, hat Baden-Württemberg Anteil am Alpenvorland (Oberschwaben), das im Pleistozän von Alpengletschern und deren Schmelzwässern geprägt wurde. Das Zentrum und der Nordosten des Bundeslandes wird vom westlichen Teil des südwestdeutschen Schichtstufenlandes eingenommen. Beiderseits des Neckars und in seinen Seitentälern gibt es je nach geologischem Untergrund fruchtbare, intensiv landwirtschaftlich genutzte Regionen, wie die Hohenloher Ebene, oder ausgedehnte Wälder (z.B. Keuperwaldberge), die auf weniger günstigen Böden stehen. Eine markante Stufe stellt die Schwäbische Alb dar, deren Kalkfelsen maximale Höhen von rund 1000 Metern erreichen. Über ihre höchsten Punkte verläuft die europäische Wasserscheide, die die Einzugsgebiete von Rhein und Donau trennt. Im Osten des Landes liegen das Härtsfeld und Ausläufer der Frankenhöhe.
Baden-Württemberg liegt im Übergangsbereich zwischen dem ozeanisch bestimmten Klimatypus Westeuropas und dem kontinentaleren Klima weiter östlich. Infolge der vorherrschenden Westwinde fällt die atlantische Komponente stärker ins Gewicht. Kleinräumig differenziert werden Niederschläge und Temperaturen durch die vielfältig gestaltete Topographie des Bundeslandes. Die meisten Niederschläge fallen in den höchsten Lagen des Schwarzwaldes mit über 2000 Millimetern pro Jahr, gefolgt von den Allgäuer Bergen und den höchsten Odenwaldrücken. Trockenere Gebiete, mit Jahresniederschlägen um 700 Millimeter, sind das Leegebiet östlich des Schwarzwaldes, die nördliche Oberrheinische Tiefebene, das Taubertal und das Kaiserstuhlvorland. Klimatisch begünstigt ist die Oberrheinische Ebene: Die mittlere Julitemperatur beträgt hier durchschnittlich 18 bis 19ºC, die mittlere Januartemperatur unterschreitet selten den Gefrierpunkt.
Bevölkerung
Die Einwohnerzahl des Bundeslandes beträgt etwa 10,2 Millionen, die mittlere Bevölkerungsdichte circa 286 Einwohnern pro Quadratkilometer. Rund 47 Prozent der Bevölkerung sind katholisch, 46Prozent evangelisch. Um Stuttgart, im mittleren Neckarraum, ist überwiegend evangelische, in Oberschwaben und im Schwarzwald hauptsächlich katholische Bevölkerung beheimatet. Die territoriale Zersplitterung vor dem 19. Jahrhundert hat das Bundesland zu einem der städtereichsten Gebiete der Bundesrepublik gemacht. Viele der Städte sind jedoch sehr klein. Nur die sieben größten haben mehr als 100000 Einwohner.
Verwaltung und Politik
Die Verfassung Baden-Württembergs wurde 1953 verabschiedet. Das Bundesland ist in die vier Regierungsbezirke Stuttgart, Karlsruhe, Freiburg und Tübingen, in neun kreisfreie Städte und 35Landkreise unterteilt. Es gibt 1111 Gemeinden. Karlsruhe ist Sitz des Bundesverfassungsgerichts und des Bundesgerichtshofes.
Bildung und Kultur
In Baden-Württemberg gibt es neun Universitäten (Heidelberg, Freiburg, Tübingen, Konstanz, Stuttgart, Karlsruhe, Ulm, Mannheim und Hohenheim), sechs pädagogische Hochschulen (Freiburg, Heidelberg, Karlsruhe, Ludwigsburg, Schwäbisch Gmünd und Weingarten) und 29Fachhochschulen (je eine in Aalen, Biberach, Esslingen, Furtwangen, Heidelberg, Heilbronn, Isny, Kehl, Konstanz, Ludwigsburg, Nürtingen, Offenburg, Pforzheim, Schwäbisch Gmünd, Schwetzingen, Sigmaringen, Ulm, Villingen-Schwenningen und Weingarten, je zwei in Freiburg, Karlsruhe und Reutlingen sowie vier in Stuttgart.) Je eine Staatliche Akademie der bildenden Künste gibt es in Karlsruhe und Stuttgart, je eine Hochschule für Musik in Freiburg, Karlsruhe und Trossingen, je eine Hochschule für Kirchenmusik in Heidelberg und Esslingen, eine Hochschule für Musik und darstellende Kunst in Stuttgart und eine Hochschule für jüdische Studien in Heidelberg.
Drei der bedeutendsten deutschen Dichter wurden im Neckartal zwischen Stuttgart und Heilbronn geboren: Friedrich Schiller in Marbach, Friedrich Hölderlin in Lauffen und Eduard Mörike in Ludwigsburg. In Marbach befindet sich das größte Archiv der Deutschen Literatur - mit zahlreichen Nachlässen renommierter deutscher Autoren - und erinnert das Schiller-Nationalmuseum an den berühmtesten Sohn der Stadt. In Donaueschingen finden seit 1950 alljährlich Musiktage zur Pflege zeitgenössischer Tonkunst statt.
Wirtschaft
Baden-Württemberg hat den höchsten Industrialisierungsgrad und die höchste Handwerksdichte aller deutschen Bundesländer, obwohl hier kaum Bodenschätze - mit Ausnahme von Kalisalz und Erdöl in der Oberrheinebene - vorkommen. Charakteristisch für das Bundesland sind Klein- und Mittelbetriebe der Verarbeitungs- und Veredelungsindustrie. Zu den wichtigsten Branchen zählen der Kraftfahrzeugbau (vor allem in und um Stuttgart sowie in Nordwürttemberg), der Maschinenbau (Nordbaden und Nordwürttemberg) und die Elektrotechnik. Textilien werden vor allem im Allgäu, im Südostschwarzwald und auf der Schwäbischen Alb hergestellt, im Südschwarzwald werden Uhren, optische Geräte und Möbel produziert. Zudem gibt es in Baden-Württemberg zahlreiche Betriebe der chemischen Industrie (Rhein-Neckar-Raum) und der Lederverarbeitung. In Heilbronn wird Schmuck und in Oberndorf (im westlichen Schwarzwald) werden Waffen hergestellt.
Angebaut werden hauptsächlich Weizen, Gerste, Wein, Obst, Kartoffeln und Tabak. Der Ackerbau konzentriert sich vor allem auf das Rhein-, das Neckar- und das Taubertal. Milch- und Forstwirtschaft dominieren in den Mittelgebirgsregionen, wie dem Schwarzwald und dem Keuperbergland. In den klimatisch begünstigten Regionen werden Wein (u.a. am Kaiserstuhl), Hopfen und Spargel gezogen. Am Bodensee ist der Obstanbau verbreitet.
Neben dem produzierenden Gewerbe und der Landwirtschaft gewinnt der Dienstleistungssektor in Baden-Württemberg zunehmend an Bedeutung: Circa ein Drittel aller Beschäftigten ist in diesem Bereich tätig. Das Bundesland ist ein beliebtes Fremdenverkehrsland. Vor allem der Schwarzwald, der Bodensee und die Städte und Burgen der Schwäbischen Alb ziehen zahlreiche Touristen an. Mit über 60 Heilbädern, heilklimatischen Kurorten und Kneippkurorten ist Baden-Württemberg das Bäderland Deutschlands.
Geschichte
Die Region war ursprünglich von Kelten und Sweben besiedelt. Im ersten Jahrhundert n. Chr. wurde sie von den Römern erobert. Im 3. Jahrhundert fielen die Alemannen ein, die im 5. Jahrhundert den Franken unterlagen. Vom Mittelalter bis 1952 entwickelten sich die Landesteile Baden und Württemberg unabhängig voneinander. Während des Mittelalters war das Land zudem in zahlreiche Grafschaften und Fürstentümer, wie z. B. das Fürstentum Hohenzollern, die Grafschaft Waldburg und das Fürstentum Fürstenberg, aufgesplittert.
Württemberg wurde von den fränkischen Kaisern in das Herzogtum Schwaben eingegliedert. Im 13. Jahrhundert erhielt die Familie der Wirdebercher den Grafentitel. Im Jahr 1495 wurde Württemberg zum Herzogtum erhoben. 1803 erhielt der Herzog von Württemberg den Rang eines Kurfürsten und 1806 die Königswürde.
In Baden errichtete Berthold I., ein Herzog des österreichischen Herzogtums Kärnten, im 11. Jahrhundert die Stammburg Zähringen . Ein Nachkomme seines zweiten Sohnes trug den Titel Markgraf von Baden und begründete das Geschlecht der Zähringer, das die Region über acht Jahrhunderte beherrschen sollte. Einer der herausragenden Vertreter dieses Adelsgeschlechts ist Karl Friedrich von Zähringen, der 1746 Markgraf wurde. Er unterstützte Napoleon I., trat dem Rheinbund bei und konnte seine Besitzungen an Fläche und Einwohnerzahl vervierfachen. Er erwarb 1803 die Kurfürstenwürde und 1806 den Titel eines Großherzogs. 1811 wurde sein Enkel Karl sein Nachfolger als Herrscher des Großherzogtums Baden. Nach der Völkerschlacht bei Leipzig verließ Karl den Rheinbund und trat 1815 dem Deutschen Bund bei.
1867 wurde sowohl Baden als auch Württemberg Mitglied des Norddeutschen Bundes, 1871 schlossen sich beide Länder dem Deutschen Reich an. Nach dem 1. Weltkrieg mussten die deutschen Fürsten abdanken. 1919 wurden der Freistaat Baden und die Republik Württemberg ausgerufen und jeweils eigene Verfassungen verabschiedet. 1933, unter dem nationalsozialistischem Regime, wurden die beiden Länder - wie auch die anderen deutschen Länder - mit dem Reich gleichgeschaltet.
Nach dem 2. Weltkrieg war Baden zu einem Drittel von amerikanischen (im Norden) und zu zwei Dritteln von französischen Truppen (Südbaden) besetzt. Württemberg war ebenfalls in eine amerikanische (Württemberg-Baden) und eine französische Besatzungszone (Württemberg-Hohenzollern) geteilt. Die amerikanisch kontrollierten Teile von Baden und Württemberg wurden aus Verwaltungsgründen vereint und 1946 zum unabhängigen Land Württemberg-Baden zusammengeschlossen. Das französisch besetzte Südbaden wurde 1947 ein eigenes Land. Alle drei Länder wurden 1949 Teile der Bundesrepublik Deutschland. Nach einer Volksabstimmung entstand 1952 aus den Ländern (Süd-)Baden, Württemberg-Baden und Württemberg-Hohenzollern das heutige Bundesland Baden-Württemberg, obwohl sich die Mehrheit der Bevölkerung Badens gegen den Zusammenschluss aussprach. Die badischen Politiker forderten die Wiederherstellung des "alten" Landes Baden ("altbadische Lösung"), mussten sich aber einer Mehrheit in den anderen Abstimmungsgebieten geschlagen geben, die für den "Südweststaat" Baden-Württemberg stimmte.
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